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Über mich
Von der Journalistin zur Trauerrednerin
Von der Journalistin zur Trauerrednerin
Ganz ehrlich: Hätte mir jemand vor zehn Jahren gesagt, dass ich heute als Trauerrednerin Abschiede begleiten darf – ich hätte es vermutlich selbst nicht geglaubt.
Schon als Kind war es mein großer Traum, einmal als „rasende Reporterin“ aus verschiedenen Ländern der Welt zu berichten. Am Ende verliebte ich mich aber so sehr in meine Wahlheimat Leipzig (und in den dazugehörigen Mann), dass ich beschloss, doch lieber keine Auslandskorrespondentin zu werden. Stattdessen widmete ich mich Menschen und ihren Geschichten direkt vor meiner Haustür. Mit Masterabschluss und Volontariat in der Tasche war ich mehr als ein Jahrzehnt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterwegs – mal freiberuflich, mal festangestellt, mal als Radiostimme und Podcast-Hostin, mal als Autorin und Redakteurin hinter der Kamera.
Doch dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Manche nennen es auch „das Leben“. Ich musste geliebte Menschen gehen lassen: Meine Großeltern starb im stolzen Alter von 89 und 94 Jahren friedlich im Schlaf, bereit für den Tod, nach einem langen, erfüllten, gelebten Leben. Mein Schwiegervater dagegen musste viel zu früh gehen. Er war schwer krank, sein Sterben war langwierig und voller Leid – und doch kam sein Tod am Ende unerwartet. Beide Abschiede haben mich tief geprägt.
Da meine Familie sich damals nicht vorstellen konnte, dass eine uns unbekannte Person, im schlimmsten Fall unpersönlich und floskelhaft, aus dem Leben unserer Großeltern und unseres Schwiegervaters erzählt, wurde ich – „Nora ist ja schließlich Journalistin!“ – gefragt, ob ich die Lebensreden bei beiden Trauerfeiern halten könne. Ich sagte spontan zu, grub mich tief in die Biografien ein, erinnerte mich gemeinsam mit Freunden und Verwandten an lustige Anekdoten und merkte während der Trauerfeier, dass mir das freie Reden nicht nur leicht fällt, sondern auch, welch tröstende Wirkung meine Worte in diesem so schmerzhaften Moment des Abschieds hatten.
„Genauso war er!“
„Das war richtig schön!“
„Ich musste sogar lachen!“
Das waren Sätze, die mich berührten und mir am Ende zeigten, wie wichtig dieser gemeinsame Moment des Erinnerns und Abschiednehmens ist.